Canyon Land

Der Grand Canyon

In Williams, einer netten kleinen Stadt, haben wir übernachtet. Dann durchquerten wir Steppe und Kiefernwälder. Wir passierten die Einfahrt zum Nationalpark und der Kiefernwald setzte sich fort. Da, völlig unvermittelt, tat sich der Grand Canyon zum ersten Mal vor uns auf, so plötzlich aus dem Wald heraus, noch im morgendlichen Dunkel, gänzlich unerwartet riesig, gewaltig, bedrohlich, düster, das Ende der Welt, das uns jetzt gleich verschlingen wird. Ich erschrecke, wie selten in meinem Leben. Ein plötzliches Panikgefühl. Ich falle fast vom Motorrad. So ein Gefühl hatte ich noch nie!!! Das Adrenalin baut sich erst viel später und nur langsam ab. Wir können kaum atmen. Das haben wir uns so nicht vorgestellt. Wir verharren in Ehrfurcht, bevor wir den Fotoapparat zücken.

Langsam dringen Sonnenstrahlen in das riesige Flussbett. Es wird heller, freundlicher. Wir gewöhnen uns an den Anblick, beobachten den Rundflug des Golden Eagles dem Adler, der uns noch oft seine goldgefiederten Flügel zeigen Dort. Er hat keine Begrenzungen. Er kann von Fels zu Fels gleiten. Hier in diesem, momentan mit grünem Flaum überzogenen Canyon – es hat geregnet – ist sein Zuhause. Wir beneiden ihn.

Aussichtspunkt für Aussichtspunkt fahren wir ab. Und mehr und mehr bestrahlt die Sonne den zerklüfteten Graben des Colorado Rivers. Und mehr und mehr gewöhnen wir uns an das, was uns so beeindruckt. Es ist gigantisch.

Aber wir wollen nicht bleiben. Zu viel liegt noch vor uns. Und so cruisen wir durch Navajo-Land, vorbei an den Holzschuppen, wo die Natives ihre Handarbeiten überteuert feilbieten, so wie sie in den von Ihnen verwalteten Antilope-Canyon, wie uns der freundliche Schweizer berichtet, pro Person 50 $ Eintritt für begrenzte 15 Minuten und 80 $ Fotografiererlaubnis verlangen (American Beauty erkennen sie nicht an). “Late Revenche” nennt es ein Würzburger Canyon-Wanderer.

Auf der Weiterfahrt nach Page am Lake Powell durchqueren wir die Painted Desert. Auch sie ist das Land der Navajo, eine sehr beeindruckende Wüste, wie eine unüberschaubare, pink – rosa – gelb – weiß – grau gestreifte Kiesgrube. Aber es ist Stein, glatter Fels.

Schließlich erreichen wir nach einem langen heißen Fahrtag das touristische Page am Lake Powell, einem 300 km langer Stausee des Colorado mit unzähligen Buchten, die 3000 km (!) Ufer bilden. Die 140 $ für das American Best Value Inn zahlen wir, erschöpft von der heißen Fahrt und den zahlreichen Eindrücken. Wir hören in unseren Betten Getrommel und Indianergesänge – Touristen-Unterhaltung. Wir sind zu müde, um hinzugehen.

Am nächsten Morgen fahren wir zuerst zum Horseschuh. Da wir uns verfahren, werden aus den 10 leider 30 Meilen. Dann allerdings, nach einem Marsch durch heißen Sand zusammen mit vielen Touristen, erreichen wir die Schleife des an dieser Stelle grasgrünen hufeisenförmigen Colorado um den Felsenhuf. Dort unten wär ich jetzt gern, im Wasser. Es ist brütend heiß und wir müssen die halbe Stunde bergauf durch den Sand zum Parkplatz zurück. (Da haben wir den netten, alleinreisenden Herrn aus der Schweiz zum 1.Mal getroffen.) Gottseidank haben wir uns mit Sonnenschutz eingecremt.

Danach heißt es, Zähne zusammenbeißen, rein in die schützende, aber heiße Jacke, Helm auf, und weiter gehts über den Staudamm und auf frisch geteerter Straße durch unwirtliches, aber beeindruckendes Land, die aufragenden Felsformationen in ihrer Masse bis zum Horizont – unbeschreiblich. Ein Highlight jagt das andere. Wir passieren die Grenze nach Utah und fahren viele Meilen wieder mal durch ein weites Tal, rechterhand rote Tafelberge. Hungrig erreichen wir Kanab; gleich am Ortsanfang die rettende Tankstelle. Da kommen zwei Harleys, eine schwarze, eine weiße, angefahren und parken neben uns: Mike und Kevin aus Texas, die an diesem Wochenende vor dem Hurrikan fliehen, der, von Mexiko kommend, ihr Land in Wasser tauchen wird. Mike, nochmals herzlichen Dank. Du hast  uns Cola und mir den besten Chickenburger spendiert, den ich je gegessen habe – bei Wendys.

Kurz nach Kanab enden vorerst Wüste und Steppe, und die Fahrt führt uns durch das kleine (!) grüne Tal des Mystic River mit Kühen und Pferden und grünen Wiesen und kleinen Tannenwäldchen und dem sich schlängelnden Flüsschen. Fast wie daheim. Ein anderer Fluss löst ihn ab, die Landschaft bleibt ähnlich. Und bevor wir den Campingplatz 6 Meilen außerhalb des Bryce Canon erreichen, wo uns die Betreiber Helen und Jerry (!!!) herzlich empfangen, schenkt uns die Natur noch die feuerroten Felsen des Red Canyon.

Am nächsten Morgen – es hat wieder über 30 Grad – Bryce Canyon….unbeschreiblich. Die Bilder müssen selbst erzählen.

Dem Berglöwen wollten wir nicht unbedingt begegnen, daher haben wir ihn im Museum des Visitorcenters fotografiert, zusammen mit dem Adler, der – verdammt nochmal – nie stillhält, wenn man ihn knipsen will, und immer aus dem Bild rausfliegt. Gefühlte 100 x hab ich es probiert….

Es ist schwer, aus der Vielzahl unserer Fotos eine kleine Auswahl zu treffen und ich hoffe, Euch, Ihr lieben, treuen, geduldigen Leser und Betrachter, auch mit dem Text nicht zu überfordern. Die Landschaften übertreffen sich an Schönheit, und wir sind einfach so begeistert. Alle paar Meter kommt ein neues “Ah” und “Oh”. Es ist einfach unbeschreiblich, diese Fülle an Schönheit. Ich fotografiere oft während der Fahrt. Viele Fotos werden ausgemistet, noch mehr gespeichert. Aber ich versuche, künftig die Auswahl etwas geringer zu halten. Ansonsten, Ihr Lieben, klinkt Euch einfach früher aus oder überfliegt, was Euch zuviel ist!