Nashville/ Tennessee

Wir haben die ersten Baumwollfelder passiert auf der Strecke nach Nashville. Der Süden macht sich bemerkbar.

 

Eine tolle Stadt, die Stadt der Banken, der Versicherungen, der Verlage und der Countrymusik, die Musik der Arbeiter, die inzwischen einen erheblichen Wirtschaftsfaktor darstellt.

Die Architektur der modernen Hochhäuser, dazu Straßenführungen, die ihresgleichen suchen, natürlich ein riesiges Stadion – wir sind beeindruckt.

Martin sucht für den Abend uns das Bluebird Café raus, in dem junge Talente ihre Vorstellung geben, natürlich in Country- und Westernmusik. Das Navy führt uns ca 15 Meilen durch die Stadt. Endlich kommen wir an. Aber vor dem Lokal, das etwa 80 Gäste fassen kann, stehen mindestens doppelt so viele Menschen an. Nein. Das hat keinen Sinn. Wir düsen zurück zum Boulevard, den uns Wolfgang aus Berlin noch in Memphis als “da geht die Post ab” beschrieben hat.

Wolfgang war allein unterwegs, da seine Partnerin krank geworden war. Er flog nach Chicago, wo ihm am Bahnhof das Handy abhanden kam, und reiste dann mutig mit dem Greyhound, dem Überlandbus, weiter, was sich für ihn als nicht sehr praktisch erwies, da er in den Städten, die hier kein ausgefeiltes Busnetz haben, so gut wie nirgends hinkam, außer mit dem Taxi, was ziemlich teuer kommt. Seine arme Lebensgefährtin blieb eine Woche ohne Nachricht, bis ich ihm mein Smartphone lieh, damit die arme Frau sich nicht mehr sorgen musste.

Hallo Wolfgang, wie ist es Dir ergangen? Lass mal von Dir hören.

Zurück nach Nashville.

Am Boulevard, der breiter ist als die Bealestreet und nicht so gemütlich, finden wir neben vielen Kneipen, die eher Popmusikgruppen engagiert haben, doch eine Bar mit einer Countryband und lassen dort den Abend ausklingen.

Am nächsten Tag bestaunen wir erstmal zu Fuß die Innenstadt mit einer gelungenen Mischung aus super modernen Bauten, alten Ziegelmauern und Brunnen, um dann in der Hall of Fame die Ausstellung der Countrystars – jedes Jahr wird einer aufgenommen – zu besuchen.

Da finden wir sie wieder, Kenny Rogers, Johnny Cash, Dolly Parton, Waylon Jennyings, Elvis, Wanda Jackson und wie sie alle heißen, viele, die uns nichts sagen. Wir betrachten ihre Cowboystiefel, Bühnenkostüme, Gitarren, Banjos und Mundharmonika, sehen sie in Filmausschnitten und auf Werbeplakaten…   und das alles über 3 Stockwerke.

Es ist Montag, und dennoch ist der Boulevard voller Menschen, die Kneipen voll Musik und voller Zuhörer, und auch wir genießen den Nachmittag, zuerst bummelnd durch eine Unzahl von Geschäften mit einer Unzahl von Westernstiefel…

dann mit einem Rauschebart im Blaumann, der drei Stunden lang nonstop einen Song nach dem anderen mit seinem Johnny Cash Bass und Gitarre, Fußtrommel und Mundorgel zum Besten gibt. Ein wirklich guter Musiker, etwas Besonderes. Wir wünschen ihm, dass er, wie so viele, hier entdeckt wird und Karriere macht.

Auf der Heimfahrt erleben wir Hitchcock pur: Tausende von Vögeln schwirren über unseren Köpfen in der blauen Stunde, versammeln sich zum Flug gen Süden, bilden Trauben, die sich vergrößern, verkleinern, vervielfachen, verdichten… unbeschreiblich!

Der Abschied von Nashville fällt mir persönlich schwer. Die Stadt war nach San Francisco und Seattle die schönste bisher. Es hätte noch so vieles gegeben, das sehenswert gewesen wäre. Aber meinen Mann treibt es wieder weiter. Schade.