Eine Brauerei und eine Bäckerei

Starbucks ist unsere täglicher Anlaufstelle, nicht nur wegen des Doubleshot Espresso für Martin und dem Frappucino Coffee für Astrid, sondern auch des Wifis wegen, da Linda kein Internet hat.

Das Wetter ist nicht berauschend. Dennoch fahren wir die 15 Meilen, um den Ort Lanchaster anzuschauen. Die Zufahrt ins Zentrum versperrt uns eine kleine Privatbrauerei und zwingt uns hinein. Nach je einem lecker Bierchen (oder waren es zwei?) schließt sich Martin einer kleinen Besichtigung an.

Das amerikanische Bier

Für uns Deutsche ist das Synonym für amerikanisches Bier Budweiser, was mit einem Stirnrunzeln einhergeht, wenn einer davon spricht, meiner Meinung nach nicht gerechtfertigt. Es schmeckt ganz lecker, Mainstream zugegeben, aber lecker, und noch besser schmeckt die light-Version. Light gibt es übrigens von fast allen großen Brauereien wie Coors, Pabst Blue Ribbon etc. Am meisten aber hat mich die Kultur der Privatbrauereien fasziniert. Sie sind in den letzten 10 Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen, wie man uns berichtet, und sie brauen traumhafte Biere. Ihr Vorteil: Sie sind nicht an das deutsche Reinheitsgebot gebunden und können kreativ mal Schokolade oder Erdbeeren zugeben oder mit verschiedenen Weizensorten experimentieren. Aber auch englische Biere wie Indian Pale Ale, das ich zuvor noch nie getrunken habe, sind phantastisch. Pilsner, Dortmunder, Porter, Weizenbier, you name it. Wir sitzen mal wieder in einer solchen kleinen house brewery und nach einem schmackhaften Burger mache ich eine kleine Führung mit, vorbei an blitzenden Stahltanks, Schläuchen und diversen Kisten mit Hefe, Hopfen und anderem. Als ich dem guide eröffne, dass ich aus Germany bin, ist er natürlich begeistert, dass ich hier mit dabei bin. Die Erläuterungen über Hefe und Hopfen, der übrigens auch aus Deutschland kommt, sind nichts Neues für mich, aber schön ist es doch, und in einer Viertelstunde ist es auch schon vorbei. Meine Meinung zum deutschen Reinheitsgebot ist in den USA erheblich ins Schwanken gekommen.

Von der Ziegelstadt sind wir nicht besond. ers angetan. Ganz nette Häuser zwischendrin, aber nicht so spetakulär. So fahren wir zurück nach Lititz und schnurstracks in Julius Sturgis’ Pretzel Bakery, wo wir während der Führung selbst eine Brezel formen dürfen, mit Zertifikat (!), durch die historische Bäckerei schlendern, über die alte Herstellungsweise informiert werden und erfahren, dass Julius Sturgis die kleine Knabberbrezel erfunden hat durch den Zufall, dass er ein Blech Teigbrezeln am Ende des Arbeitstages im Ofen vergaß ( was mir daheim beim Auf backen x-mal passiert). Er probierte sie, bot sie seinen Kunden an, denen auch das harte Gebäck schmeckte und beschloss, dieses zu verkleinern und zum Verkauf anzubieten. Er erfand eine Brezelform, denn die kleinen Dinger werden ja verständlicherweise nicht mehr handgedreht. Voilà! Von hier aus trat sie dann den Siegeszug in die Welt an.