In Port Orange

Während all unserer Daytona Beach-Aktivitäten sind wir bei Steve untergebracht, einem Stewart, ein reizender Mensch, der uns täglich tolles Frühstück zaubert und uns viel über gesunde Ernährung, Nitrate, Sodiumgehalt etc beibringt -seine Lieblingsthemen. Mit dem Putzen hat er es nicht so. Das übernehme ich, und am letzten Tag seine philippinische Freundin Marissa, die aus Miami zu Besuch kam, eine sehr nette, interessante Frau, der man ihre 60 nicht ansieht.
Gleich am ersten Abend nimmt Steve uns mit zu einem Veteranenclub, wo wir sehr preiswert sehr gut speisen. Anschließend ziehen wir in den Nachbarraum, und sehr mutige ältere Herrschaften betreten die Bühne, um Karaoke zu singen. Bei den Eagles, einem anderen Club von älteren Personen, wird getanzt und gequatscht und sich ebenfalls amüsiert.


Das ist ein großer Unterschied zu Deutschland: Das Alter wird hier eher ignoriert, Man unternimmt was und hat Spaß. Die alten Leute hier sind offen für neue Bekannt- und Liebschaften, gehen zum Tanzen, singen Karaoke, treffen sich zum Weinchen. In Deutschland sitzen viele stumm im Altersheim neben ihren Tischnachbarn und meckern, dass niemand sie unterhält. Da sind die Amis viel lockerer und aktiver. Ausnahmen bei uns gibt es freilich auch. Aber das hat schon der Journalist Sven Kuntze in seinem Buch “Altern wie ein Gentleman” bemerkt.
Steve ist 3 Tage als Flugbegleiter in Kolumbien unterwegs. Dafür unterhält uns Maddy. Auch er wohnt bei Steve, hat gerade seinen Master als Spaceingenieur abgeschlossen, ist 26, kommt aus Indien und wird sofort von uns adoptiert. Er ist lustig, fröhlich, sehr zuvorkommend – einfach zum Gernhaben.
Mit Maddy – auf indisch Madhor, was “süß” bedeutet, Nomen est Omen – verbringen wir unterhaltsame Abende, sowohl bei exzellentem indischen Essen, Korma, das er extra für uns gekocht hat, als auch in einem Thairestaurant.
Wir seien sicher das dauernde Motorradfahren leid, meint er, und nimmt uns im Auto mit auf einen Ausflug zu den Blue Springs. Der Blick ins Wasser überwältigend: Meter lange Fische in glasklaren Wasser. Angeln verboten!!!



Es ist wahnsinnig heiß, auch auf der Kanufahrt- diesmal ohne Umkippen – im St. Johns River, die uns durch dichte Wasserpflanzen führt. Das Boot ist dennoch ziemlich instabil auf dem Wasser, und Martin kriegt oft Panik, wenn es etwas schaukelt. “Astrid, Sitz still! Hör auf zu wackeln!…” Der Arme sitzt vorne und hat hinten keine Augen! Wir sehen drei Alligatoren. Ein Vier-Meter-Kaliber steht am Ufer. Wir rudern etwas näher ran um schöne Fotos zu kriegen. Da flitzt er ins Wasser, direkt auf uns zu. Wir ergreifen die Flucht. Larry sagt uns später, die Alligatoren seien im Frühjahr sehr aggressiv und würden nicht zögern, auch Boote anzugreifen. Und wir in dem wackeligen Ding. Das wär was gewesen! Martin und Maddy paddeln so schnell es geht, und Gottseidank entkommen wir der Bestie. Direkt vor uns krallt sich nach einem Sturzflug ein Seeadler einen großen Fisch und trägt ihn über unsere Köpfe hinweg in die Lüfte. Das war toll! Auch Maddy ist begeistert!

Wieder zuhause angekommen, fahren wir noch zum Gemeinschaftspool der Wohnanlage, lauter braun gestrichene schöne Holzhäuser in einem großen Waldgrundstück, eine Seite für die “Armen” (kleinere Häuser), eine Seite für die Reichen (Villen, ebenso braun). Dazwischen herrliche Teiche mit Wasserschildkröten.
Der Pool liegt herrlich neben einem Teich, und tags zuvor hatten uns schon gesprächige ältere Damen aus der Nachbarschaft beim Schwimmen Gesellschaft geleistet.
Maddy bekommt eine Kopfsprung- und seine erste Deutschlektion. Wenn man vom allerersten Bauchplatscher mal absieht, hat er viel Spaß dabei und spricht seine ersten deutschen Sätze fast akzentfrei.

Am letzten Abend nach einer nächtlichen Stadtrundfahrt mit Maddy durch Daytona Beach noch ein beeindruckender Stop am dunkel rauschenden Atlantik.
Das Frühstück am nächsten Tag serviert von Marissa, ein abschließender Spaziergang mit ihr und Steve um den großen Teich nahe ihres Domizils, noch ein paar heiße Fotos von Marissa als Motorradbraut (leider nur auf ihrer Kamera) und Erinnerungsfotos von Steve und Maddy, und dann gehts ab gen Norden, immer am nebligen Atlantik entlang nach St. Augustin.

Ein Blick zurück: