Friedhofsimpressionen

New Orleans hat berühmte Friedhöfe. Man kann sich im Touristenbüro zu einer Führung anmelden. Allein dorthinzugehen, empfiehlt sich nicht, denn hier kann es Dir passieren, dass Du überfallen wirst. Wir wurden vielfach gewarnt. Der Fluchtweg ist leicht, denn die Gräber befinden sich meist in Mausoleen. “Zunächst wurden die Gräber auch unterirdisch angelegt. Nachdem um 1830 eine Serie von Seuchen ausbrach, ausgelöst durch die durch den hohen Grundwasserspiegel im Wasser schwimmenden Leichen, erließ die Stadtverwaltung eine Verordnung: Bestattungen durften künftig nur noch außerhalb der Stadt im Bayou St. John vorgenommen werden. Eine Beerdigung auf den Friedhöfen innerhalb der Stadt war nur noch in oberirdisch angelegten Gräbern erlaubt.” (WIKIPEDIA)

Ich kann mir einen kurzen Besuch auf dem St. Louis Cemetery nicht verkneifen und kann Martin dazu überreden, denn es befindet sich gerade auch eine Touristengruppe dort. Aber ich darf nur im Eingangsbereich bleiben. Martin drängt auf ein baldiges Verlassen. Es reizt mich zwar, weiter reinzugehen, aber er hat ja Recht. Nach all den Warnungen nichts riskieren. Aber es ist faszinierend hier. Und friedlich. Am Eingang steht eine Bronzefigur von dem italienischen Wunderpater Pio, den meine längst verstorbene Tante Maja so verehrt und mir als Kind schon so viel von ihm erzählt  hat.

Das Grabmal Frauenklosters der Schwestern von Mount Carmel hat mich beeindruckt. Die erste Eintragung ist von 1888. Es ist die Gründerin Mutter Theresa geb. Chevrel. Es werden bis 1941 nur die Klostervorsteherinnen, die Meres, aufgeführt. Erst ab 1941 werden die Schwestern namentlich genannt, und zwar bis heute. Nur eine Schwester St. Augustin Clerc ist mit der Jahreszahl 1870 verewigt. Interessanterweise befindet sich in dem Mausoleum auch ein Mann, Rev. Pere Joseph Subileau, gestorben 1926. Was sagt uns das? Ich weiß es nicht. Aber die Tatsache lässt Raum für allerlei Vermutungen. Wer will, kann ja mal welche anstellen.

Wir bewegen uns ehrfurchtsvoll durch einige wenige Reihen und finden viele französische Namen auf den Mausoleen. Es wäre ein schöner Ort, um zu sich selbst zu kommen. Schade, dass er so gefährlich ist.