Ein Herz für Tiere…

…hat Rene, eine Heilerin, Mutter, Fotografin, Künstlerin und Lebenskünstlerin und vor allem Tierliebhaberin.

Leider können wir bei Will nicht noch bleiben. Er muss den Truthahn für Thanksgiving für seine Familie braten und fährt dazu nach Pensacola. Also buchen wir das Hobbithaus auf Renes Farm nahe Brooksville. Die Farm hat sie erst seit wenigen Jahren. Sie hat ihren Krebs damit besiegt, indem sie ihre Anstellung bei einer Bank aufgab und beschloss, nur noch das zu tun, was ihr wirklich Spaß macht. Und so erstand sie das Grundstück. Zwei der Pferde bekam sie umsonst. Es fliege ihr zu, sagt sie.

Das Hobbithaus ist selbstgezimmert und klein, mit einem romantischen Doppelbett mit Glanzdecke, Moskitovorhang und mit Stoffbahnen abgehängtem Plafond. Auf dem Vorplatz steht ein Sofa, ein schöner weißer Korbstuhl, ein Kühlschrank und eine Kaffeemaschine. Alles etwas angestaubt. Am Vortag hatte es wie aus Eimern geregnet. Es ist ziemlich kalt. Die Dusche unter freiem Himmel ist hübsch gefliest und dekoriert. Eine Eiche wächst innerhalb dieses vor Blicken schützenden Bretterverschlags. Leider hat der Wind 1000 welke Blätter hineingeweht, die die Atmosphäre und vor allem das Duscherlebnis etwas stören. Ein zweiter Verschlag bietet einen Whirlpool, ein Trimmrad und eine Sitzecke, aber ebenfalls ohne Dach und daher etwas herbstlich verkommen.

Aber auf den Koppeln stehen wunderschöne Pferde, allen voran ein rassiger schwarzbrauner Tennessee-Walker namens Shimaron wegen eines “S” auf der Stirn, eigentlich ein Traumpferd und mein Liebling, dem man in zu jungen Jahren mit schweren Gewichten den Töltgang aufzwingen wollte und damit die Fußgelenke seiner Vorderhufe nach außen verkrümmte, was ihm zudem noch immer Schulterprobleme macht.

Er steht zusammen mit Valentino, einem sehr schön gezeichneten Pasofinohengst, dem echten Tölter, dessen Natur dieser Gang ist. Er ist ein witziger Kerl, der immer spielen will und schnappt.

Renes Stute Lexy, eine Kiger Mustang, deren wilde Verwandten in den Bergen Oregons beheimatet sind, ist über Nacht die Adoptivmutter des gestern angekommenen weißen Ponys geworden. Sie lässt ihren kleinen Sprössling nicht mehr aus den Augen.

Die Koppeln liegen nebeneinander, damit sich auch die Hengste an den Neuzuwachs gewöhnen können. Heute soll dann die große Zusammenführung stattfinden. Wir wohnen dem Schauspiel bei. Alle 4 auf einer Koppel. Am Anfang scheint alles friedlich zu verlaufen. Lexy schirmt das Pony immer wieder gegen die nahenden Hengste ab. Galoppiert auch mal einen Scheinangriff auf den schwarzen. Eine halbe Stunde vergeht. Alles scheint sich zu beruhigen. Plötzlich, in einem von der grasenden Lexy unbeobachteten Moment, stürzt sich Shimaron auf das arme Pony und beißt es böse in den Rücken, hebt es sogar mit dem Biss etwas an. Rene muss handeln. Sie springt über das Gatter, schreit und wirft sich quasi dazwischen. Shimaron wendet sich ab und trabt davon. Es war die Eifersucht, die ihn zu dieser Attacke trieb, denn Lexy war bislang seine Freundin. Rene sagt, er hätte das Pony töten können. Natürlich werden die Pferde wieder getrennt. Man merkt Shimaron auch die nächsten Tage noch an, dass er leidet. Er steht oft stundenlang bewegungslos da, allem abgewandt. Er kommt auch nicht mehr auf Zuruf an den Zaun, um sich kraulen zu lassen.

Das Pony, wie auch Shimaron “arbeiten” als Einhorn-Fotomodell. Rene macht viel Geld mit den Fotografien, für die sie den Pferden ein Horn umschnallt, denn die kleinen amerikanischen Prinzesschen nebst Müttern geben dafür viele Dollar aus. Aber sie braucht auch eine Menge Geld. Die Tiere müssen fressen.

Auf jeden Fall toben auf dem 5 Acre großen Grundstück noch 2 Hunde, ein ganz alter, taub und auf einem Auge blind, und ein ganz junger, 5 Monate, mit einem Gesicht wie damals Simba, den Rene aus schlechter Zwingerhaltung gerettet hat, und der daher noch sehr scheu ist. Manchmal lässt er sich von uns streicheln. Oft aber hat er Flashbacks und rennt davon.

Es gibt noch 3 goldige junge Puschelhühner, schwarz, weiß, braun, und einen stolzen Hahn, der nachts in einer Kiste schlafen muss, damit er nicht frümorgens alle aufweckt mit seinem “Kikeriki”.

Am ersten Tag ist noch ein Nachbar zu Besuch, der seinen freundlichen Weimeraner mitgebracht hat. Leider haben wir ihn dann nicht wiedergesehen.

Leider ist es furchtbar kalt. Da Fenster und Türen im Hobbithaus nicht richtig schließen, hilft nächtliche Heizlüfter nur wenig. Und obwohl Rene 3 verschiedene Sitzplätze auf dem Grundstück eingerichtet hat, finden wir wegen der Kälte keine Gemütlichkeit.

Am 2. Abend zünden die beiden Jungs, 15 und 21, ein riesiges Lagerfeuer an, aber dennoch können wir der Kälte nicht lange trotzen.

Schade, auch Martin würde es sonst sicher mehr genießen, statt nur auf die Mängel zu gucken und neidisch auf die Golfrasen der Nachbarschaft zu schielen.

Ich find es toll. Es ist Natur pur. Und ich bedaure sehr, nicht reiten zu können, denn sonst dürfte ich mit Rene ausreiten. Meine Eltern konnten mir nie Reitstunden finanzieren, und so hab ich erst jetzt meine Liebe zu Pferden entdeckt. Vielleicht nehm ich doch nochmal Reitunterricht….

Rene züchtet und verkauft übrigens einen Wunderbaum, den Marengo. Bitte mal googeln! Sehr interessant. Sie gibt mir ein paar Blätter zum Probieren. Auch für die Pferde ist er gesund. Damit könnte manches Elend der Welt gelindert werden.

Ich will mal sehen, ob man ihn in Deutschland als Zimmerpflanze bekommt und ziehen kann.

Wir unternehmen in der mild wärmenden Sonne eine Fahrt durch Brooksville, das spärlich weihnachtlich dekoriert ist, und am Thanksgivingtag ist offensichtlich alles wie ausgestorben. So fahren wir weiter nach Homosassa, wo wir eine nette Bar direkt am Wasser entdecken, wo man herrlich Fisch essen und Kormorane und v.a. Pelikane beobachten kann.

Und wir sind gespannt auf unser künftiges Domizil in Weeki Wachee, das wir schon 2 Tage vorher beziehen dürfen, was uns angesichts der Temperaturen sehr freut.

Trotzdem, der Abschied von Rene und diesen wundervollen Tieren fällt mir nicht so leicht.